
Warum ich Frauen nicht dabei unterstütze, noch mehr zu schaffen
„Wie soll ich nur alles unter einen Hut bringen“? Diese Frage höre ich immer wieder von Frauen, die bereits unzählige Verpflichtungen stemmen. Und vielleicht überrascht es dich, wenn ich dir sage, dass ich Frauen nicht dabei unterstütze, in ihrem Alltag „mehr zu schaffen“. Was ich für viel wichtiger halte, erfährst du hier in diesem Artikel.
Die meisten Frauen leisten bereits unglaublich viel:
- Sie denken an alles
- Sie kümmern sich um Andere
- Sie übernehmen Verantwortung
- Sie wirken nach Außen stark
- Sie funktionieren
Meistens sogar so gut, dass ihr Umfeld gar nicht bemerkt, wie erschöpft und innerlich leer sie eigentlich sind. Frauen, die zu mir kommen, hadern dabei oft mit ihrer eigenen Belastbarkeit, und versuchen zu verstehen, warum sich alles so schwer anfühlt.
Wann wird es endlich besser?
Viele hoffen darauf, dass diese Phasen vorübergehen, weshalb sie sich erneut aufraffen, optimieren, und weiter funktionieren.
Was mir häufig auffällt ist, dass Frauen beim Reflektieren ihrer Herausforderungen den Blick nur auf das richten, was gerade im Außen passiert: Sie erklären sich ihre Erschöpfung mit „zu viel Arbeit“, „ständiges Einspringen“, oder „schwieriger Partner“.
Was ich oft höre: „Nach dem Urlaub schaffe ich es wieder mehr.“ Ich persönlich betrachte diesen „Urlaubsretter“ jedoch mit einer gewissen Skepsis, da es bei den meisten nach dem Urlaub gleich weiter geht wie davor: Wieder an alles denken, Verantwortung übernehmen, sich zusammenreißen, und weiter funktionieren.
Nicht nur gestresst, auch im Urteil mit uns selbst
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Leistung belohnt wird. Wer viel schafft, wird bewundert. Wer alles im Griff hat, gilt als stark. Und wer immer verfügbar ist, wird als engagiert wahrgenommen. Ich finde, das führt bei vielen Frauen nur zu noch mehr Druck.
Gedanken wie: „Ich sollte mehr schaffen“, oder „Warum schaffen Andere mehr?“ sind bei vielen die Folge. Wir sind dann nicht nur im Kampf mit unseren Aufgaben, sondern auch noch mit uns selbst. Das raubt oft mehr Energie als die Aufgaben an sich, und kann mit der Zeit zu Selbstzweifel führen.
Frauen, die zu mir kommen, helfe ich daher nicht, noch mehr unter einen Hut zu bringen. Ich finde, dass die meisten bereits sehr viel leisten, und bin der Meinung, Frauen sollten sich selbst viel mehr Mitgefühl und Anerkennung schenken, für das, was sie bereits schaffen.
Das wünschen sich Frauen wirklich
Meiner Meinung nach geht es vielen Frauen in Wahrheit oft gar nicht darum, wie sie mehr schaffen können, sondern darum, wie es ihnen gelingt, sich selbst nicht mehr zu verlieren.
Dazu braucht es für mich keine Tools für noch mehr Leistungsfähigkeit oder einer besseren Belastbarkeit, sondern mehr innere Arbeit. Diese beginnt bei mir meist mit Fragen, die sich Frauen einmal ehrlich für sich beantworten dürfen:
„Warum glaube ich, so viel aushalten zu müssen?“
„Warum erlaube ich mir nicht mehr?“
Meine Erfahrung zeigt: Sich für die eigenen Bedürfnisse abzugrenzen, fühlt sich für viele Frauen zuerst hart oder gefährlich an. Sie haben insgeheim Angst, dass dabei Nähe verloren geht. Ich sehe das anders. Ich finde, wir müssen uns nicht zwischen Abgrenzung oder Verbundenheit entscheiden. Wir können lernen für uns einzustehen, und trotzdem in Beziehung zu bleiben.
Was mir wichtig ist
Ich glaube daran, dass Menschen nicht an Härte wachsen, sondern an Bewusstsein und Mitgefühl. Mit meiner Arbeit möchte ich Frauen ansprechen, die nicht lernen möchten, rücksichtslos zu werden-sondern durch innere Arbeit lernen möchten, sich selbst genau so liebevoll zu behandeln, wie die Menschen, die ihnen wichtig sind.
Dazu braucht es vor allem Bewusstsein über eigene Muster, die uns immer wieder über unsere Grenzen gehen lassen, und weniger Härte gegenüber uns selbst.
Ich wünsche mir, dass Frauen nicht länger auf der Stelle treten, indem sie auf Veränderung im Außen hoffen, oder versuchen, ihre eigene Belastbarkeit ständig zu optimieren. Frauen, die zu mir kommen, unterstütze ich nicht dabei mehr zu schaffen, sondern dabei, sich selbst wieder mehr zu erlauben:
- Sich erlauben, öfters „Nein“ zu sagen
- Sich erlauben, mehr Zeit für sich zu nehmen
- Sich erlauben, Grenzen zu setzen
- Sich erlauben, ihre Wahrheit auszusprechen
- Sich erlauben, um Hilfe zu bitten
Genau damit beginnt für mich wahre Selbstfürsorge. Nicht mit einem Wellnesstag oder einer Yogastunde - sondern dort, wo wir wieder lernen, bei uns zu bleiben, auch wenn Andere zuerst nicht begeistert davon sind.
